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Bitcoin und Co – Geld der Zukunft?

von Mylena Baumann am 24. Januar 2018

Digitalwährungen gelten zurzeit als eine der attraktivsten Finanzanlagen. Selbst die jüngsten Kursschwankungen haben das Interesse nicht wesentlich beeinträchtigt. Jetzt werden sie sogar schon an einer Börse gehandelt. Aber: Sind sie ihr Geld wirklich wert?

 

 

Immer mehr Menschen investieren in die Digitalwährung und treiben so die Kurse in die Höhe. Seit Mitte Dezember 2017 wird Bitcoin sogar an einer Terminbörse, der Chicago Mercantile Exchange (CME), gehandelt.

Allein im Laufe des Jahres 2017 hat der Bitcoin über 1.700 Prozent zugelegt. Zeitweise war er sogar mehr als 20.000 Dollar wert. Zwischenzeitlich stürzte sein Kurs zwar unter die Marke von 10.000 Dollar ab. Doch dieser Ausschlag gilt unter vielen Marktexperten nur als vorübergehende Konsolidierung. Schon einen Tag später verbuchte der Kurs wieder ein Plus von 18 Prozent.

 

Größte Spekulationsblase aller Zeiten?

Angesichts seiner Wertexplosion sehen einige Menschen in dieser Währung das Geld der Zukunft. Andere warnen vor der größten Spekulationsblase aller Zeiten. Doch trotz aller Risiken kommen Bitcoin und andere digitale Kryptowährungen immer stärker bei Privatanlegern an. Manche wollen sogar ihre Altersvorsorge via Bitcoin finanzieren.

Der Begriff Bitcoin stammt aus dem Englischen. Auf Deutsch heißt er „digitale Münze“. Bitcoin (abgekürzt BTC) entstand 2009 und ist in den vergangenen Jahren (fälschlicherweise) zu einem Synonym für andere digitale Währungen wie Ethereum, Ripple, Litecoin oder Peercoin geworden. Im Gegensatz zu Euro, Dollar oder Pfund existieren digitale Währungen lediglich virtuell. Um sie besser zu verstehen, helfen einige zentrale Punkte:

  • Bitcoins und Co. sind dezentrale virtuelle Währungen.
  • Sie sollen einen Gegenentwurf zu dem heute bestehenden Geldsystem darstellen.
  • Es gibt daher keine Zentralbank, die diese „Währungen“ in Umlauf bringt. Vielmehr werden sie von Privatpersonen oder privaten Institutionen geschaffen.
  • Auch das ihnen zugrundeliegende Zahlungssystem wird ausschließlich virtuell abgewickelt.
  • Nutzer können bei Überweisungen oder beim Handel anonym bleiben.
  • Dieser Umstand erleichtert nach Auffassung vieler Kritiker die kriminelle Nutzung in Form von Geldwäsche.
  • Bitcoins werfen keine Zinsen ab. Ihr Wert hängt – bei einer festgelegten Geldmenge von 21 Millionen – allein von der Nachfrage ab.
  • Der Bitcoin-Quellcode ist öffentlich. So kann theoretisch jeder Mensch eine eigene virtuelle Währung nach diesem Vorbild erstellen.
  • Neue Einheiten der digitalen Währungen können unter sehr hohem Strom- und Rechenaufwand auf privaten Computern erzeugt werden. Das bezeichnet man auch als Bitcoin-Mining.
  • Neben dem Mining können Nutzer an Bitcoin kommen, indem sie die digitale Währung als Zahlungsmittel für ein Produkt oder eine Dienstleistung akzeptieren. Oder man tauscht reale Währungen auf einer Handelsplattform im Internet in Bitcoin.

 

Wieso wurde Bitcoin erfunden?

Als Bitcoin-Erfinder gilt ein gewisser Satoshi Nakamoto. Dieser Name ist aber ein Pseudonym, möglicherweise inspiriert von einem japanischen Philosophen aus dem 17. Jahrhundert. Wer wirklich dahinter steckt, weiß niemand. Das britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ schrieb vor zwei Jahren, ein Australier namens Craig Steven Wright sei der Erfinder der Kryptowährung. Man habe ihn durch gestohlene Dokumente und E-Mails enttarnt. Zeitweise galt auch Elon Musk, der Gründer der Tesla-Autos, als möglicher Bitcoin-Erfinder. Das dementierte Musk Ende November 2017 jedoch.

Wer auch immer hinter der Erschaffung des Bitcoin-Systems steckt – er nannte vor allem zwei Gründe dafür: die unbegrenzte Geldschöpfung der Zentralbanken sowie die fehlende Anonymität gegenüber Banken und Aufsichtsbehörden bei Banküberweisungen. Daher ist die Menge der Bitcoins zum einen auf 21 Millionen begrenzt. Zum anderen treten die Nutzer bei Überweisungen ausschließlich über kryptografische Schlüssel (welche sich in Form von Zeichenkombinationen aus Zeichen und Buchstaben darstellen lassen) in Verbindung. So soll die Anonymität gegenüber staatlichen Behörden gewahrt werden soll.

 

Virtuelle Währungen und die Blockchain

Bitcoin ist nicht nur eine digitale Währung mit einem weltweit verwendbaren, dezentralen Zahlungssystem, sondern auch die weltweit bekannteste Blockchain-Anwendung. Wie alle anderen Blockchains besteht auch sie aus einer dezentral organisierten Datenbank, die von zahlreichen Parteien betrieben wird. Man spricht auch von einem digitalen Grund- und Orderbuch. Alle bisherigen Transaktionen sind darin in „verketteten“ Blöcken dokumentiert – und neue Transaktionen werden in neuen Blöcken hinzugefügt.

Anhand des sich ständig aktualisierenden Protokolls können die Netzwerk-Teilnehmer die weltweit vollzogenen Bitcoin-Transaktionen jederzeit eins zu eins nachvollziehen: Sie wissen immer, wie viele Bitcoins wann von wo nach wo überwiesen werden.

Neue Transaktionen werden in einem neuen Block dokumentiert und an das Ende der Kette angehängt. Mit jedem neuen Block aktualisiert sich die Kette auf jedem Knoten im Blockchain-Netz. Damit verfügt jeder Teilnehmer des Netzwerks über die gleichen Informationen und Voraussetzungen, um am System teilzunehmen und neue Informationen hinzuzufügen.

Allerdings leidet die Bitcoin-Blockchain unter technischen Problemen, die noch ungelöst sind. Schon jetzt gilt sie aufgrund ihrer Größe und Komplexität als überlastet. Außerdem ist die Blockchain (ebenso wie Bitcoin und die anderen digitalen Währungen selbst) immer wieder ein beliebtes Angriffsziel von Hackern. Sowohl Privatanleger als auch Handelsplätze leiden darunter.

 

Ist ein Einstieg sinnvoll?

Nach dem Schritt der Chicagoer Terminbörse wird in diesem Jahr auch die US-Technologiebörse Nasdaq mit dem Handel von Bitcoin-Derivaten beginnen. Ende Dezember 2017 gab zudem die Deutsche Börse bekannt, dies zu erwägen. Große Finanzunternehmen prüfen, Produkte rund um Bitcoin und andere Kryptowährungen anzubieten: Dazu sollen unter anderem ETFs  (also börsengehandelte Fonds) gehören, die einen Index nachzeichnen.

Damit scheint der Handel mit digitalen Währungen noch mehr Fahrt aufzunehmen. Gilbert Fridgen, der an der Universität Bayreuth zur Blockchain-Technologie und Bitcoin forscht, empfiehlt aber, wenn überhaupt nur mit kleinen Beträgen einzusteigen. „Privatanleger müssen bei einem Einstieg in Bitcoin immer mit einem Totalverlust rechnen“, betont der Professor. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin sieht das ähnlich.

Auch einer der fünf Wirtschaftsweisen aus dem Sachverständigenrat der Bundesregierung, Professor Peter Bofinger, hat seine Bedenken. Er erkennt zwar an, dass sich für Bitcoin und die anderen Kryptowährungen tatsächlich ein Markt entwickelt hat. Zugleich gibt er zu bedenken, „ob ein System mit Privatwährungen tatsächlich ein stabiles Geldwesen schaffen kann“.

 

„Keinerlei innerer Wert“

Zudem kritisiert der Wirtschaftsweise, dass digitale Währungen „keinerlei inneren Wert“ haben. Solange das niemandem auffalle, könnten sie zwar – wie bislang geschehen – „enorm im Kurs steigen“. Aber, so Bofinger, wie beim Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ bedürfe es „nur eines kleinen Anlasses, dass das Ganze auffliegt“.

Er räumt ein, dass es zwar „auch für staatliche Banknoten kein Einlösungsversprechen durch die Notenbanken“ gebe. „Doch sie haben gegenüber den privaten Währungen den entscheidenden Vorzug“, betont Bofinger, „dass sie als ‚gesetzliches Zahlungsmittel‘ von Verkäufern nicht abgelehnt werden dürfen und dass man damit jederzeit seine Steuern bezahlen kann.“

Der Zentralbankchef Dänemarks, Lars Rohde, warnte Anleger Ende 2017 mit Blick auf Bitcoin und Co. sogar mit den Worten: „Bleiben Sie weg. Das ist tödlich.“

Angesichts dieser Unberechenbarkeit sollten Anleger sich also gründlich informieren, gut abwägen und dann entscheiden, ob sie Bitcoins oder andere digitale Währungen in ihr Portfolio aufnehmen.

 

Wie geht es weiter?

Doch es gibt auch andere Stimmen und Entscheidungen: Die US-Regulierungsbehörde SEC und die britische Regulierungsbehörde kündigten noch Anfang Dezember 2017 an, Bitcoin-Tauschbörsen regulieren zu wollen.

Dieses Eingreifen widerspricht zwar dem ursprünglichen Bitcoin-Gründungsgedanken (Währung ohne Banken, Zentralbanken und Regulatorik). Aber es zeigt auch das staatliche Interesse an den Möglichkeiten der virtuellen Währungen.

Frankreichs Finanzminister Bruno le Maire forderte unlängst die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G 20) dazu auf, sich gründlich mit der Regulierung von Kryptowährungen zu befassen. Auch Experten wie der Bayreuther Professor Fridgen fordern diesen Schritt, um die Anleger zu schützen.

In einigen Ländern gehen die Notenbanken sogar noch einen entscheidenden Schritt weiter: Neben der Regulierung streben sie an, eigene digitale Währungen herauszugeben. In Japan, Russland und Estland könnte das schon 2018 der Fall sein.

 

Bitcoins – das sind die Vorteile:

  • begrenzte Anzahl führt zu starker Wertsteigerung
  • Anonymität
  • dezentrale Währung
  • in der Vergangenheit sehr hohe Rendite innerhalb kurzer Zeit
  • dezentrale Struktur bedeutet Unabhängigkeit von Banken
  • unabhängig von Finanzmarktkrisen

 

Bitcoins – das sind die Nachteile:

  • sehr risikobehaftetes Spekulationsobjekt
  • keine echte Währung
  • kein gesetzliches Zahlungsmittel
  • bislang noch geringe Akzeptanz
  • private Erzeugung der digitalen Münze
  • Software muss verbessert werden
  • schwieriges Vertrauensverhältnis
  • starke Volatilität
  • nicht durch Finanzaufsicht reguliert
  • Gefahr durch Hacker-Attacken

 

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